>>>> Meine Zeit in Eagle Butte <<<<

 

Im November ’98 startete ich meine erste Reise nach South Dakota zu den Lakota Indianern. Die Freude war groß, da sich mein langer Wunsch, ein Jahr lang ins Ausland zu gehen und gleichzeitig eine so faszinierende Kultur kennen zu lernen, erfüllt hatte. Endlich würde ich mir persönlich ein Bild davon machen können, wie Indianer heute leben. Und davon, was von dem Indianermythos übrig geblieben ist. Nicht zuletzt gehören die Lakota wohl zu den bei uns bekanntesten Indianern.

Natürlich hatte ich bereits Bilder gesehen oder Berichte gelesen, aber dennoch war für mich die Reise ein Sprung ins kalte Wasser, der sich, wie sich schnell herausstellte, in jeder Hinsicht gelohnt hatte!

Nachdem ich mich kurz vor meiner Abreise noch mit zwei ehemaligen Reservatsbesuchern gesprochen hatte, und sie mir Bilder von Eagle Butte aus den Jahren zeigten, in denen sie im Reservat waren (1986/ 1996), hatte ich das Gefühl doch relativ gut vorbereitet zu sein. Und ich muss gestehen, ich hatte ein recht düsteres Bild vor Augen. Ich wusste von der hohen Arbeitslosigkeit, der Perspektivlosigkeit, dem Alkoholismus und der Armut. Jedoch war ich sehr positiv überrascht, als ich an meinen ersten Tagen die Umgebung inspizierte. Denn ich sah nicht nur heruntergekommene Baracken und arme oder traurige Menschen. Auch schien mir mein Umfeld in keiner Weise bedrohlich oder gefährlich. Zu allererst fiel mir auf, dass es doch sehr „amerikanisch“ aussah. Alles war so riesig und weit –X-large eben.... Ja, es stimmte, dass viele Menschen offensichtlich in ärmlichen Verhältnissen lebten, und die riesigen Müll-Container, die entlang der Strassen standen und der Müll der zwischen den Trailern lag oder die alten Autos..., sprachen nicht gerade von enormem Wohlstand. Aber es gab durchaus auch eine Menge Häuser, die eben genau jenen, aus den amerikanischen Soaps ähnelten: gut gepflegter Rasen, Autos in der Hofauffahrt, Verandas und Fliegengitter vor der Tür.

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Im alten "Main"

Ich erinnere mich gut daran, wie schnell sich meine Ankunft herumgesprochen hatte, und mir die Kinder fröhlich zuriefen, wenn sie mit ihren Rädern vorbeifuhren. Ich wurde mit viel Interesse begutachtet!

Ich kam noch zur „alten“ Main-Ära nach Eagle Butte, und konnte den Bau und Umzug ins neue Gebäude direkt miterleben!

Als ich ankam, war ich die einzige Freiwillige, da alle Studenten mittlerweile ja wieder fleißig an den Unis waren, und das Jahr auf sein Ende zusteuerte. Also war es erst mal eine sehr ruhige Zeit, an die ich mich zu gewöhnen hatte. Andererseits hatte ich dadurch auch genug Zeit, mich an meine neue Sprache, die Menschen und vor allem die Kids zu gewöhnen. Ich kannte am Anfang nur Julie Garreau, die Leiterin des Jugendzentrums. Sie stellte mich gleich ihrer Familie vor, die mich ebenfalls sehr herzlich empfing. Und schon bald saß ich zur Mittagspause im Nutrition Center, das von Julie Garreaus Mutter geleitet wird und direkt an das neue Maingebäude angrenzt. Dort saß ich inmitten der großen Familie und lernte allmählich den indianischen Humor und die Umgangsweise kennen. Zu meinem großen Entsetzen musste ich feststellen, dass ich mit meinem Schulenglisch anfangs nicht mithalten konnte. Mittlerweile spreche ich wahrscheinlich mehr South Dakota Slang als Schulenglisch.... Jedenfalls gab es immer wieder einiges zu lachen....

Das ursprüngliche Main war noch in dem ehemaligen Bargebäude an der Main Street untergebracht. Als ich das erste Mal das Gebäude betrat, war ich schon etwas schockiert... Von außen machte das Gebäude einen Lagerhalleneindruck, es gab kaum Fenster, und nur drei Türen, von denen zwei mit Nägeln und Brettern verriegelt waren. Tageslicht drang lediglich durch das Öffnen der Eingangstür in den Hauptraum. Zu meiner Ankunftszeit war das Main bereits seit zwei Monaten geschlossen. Und die letzten Freiwilligen hatten offensichtlich schon begonnen, alles in Kartons zu verpacken, in der Hoffnung auf einen baldigen Umzug in das neue Gebäude. Allerdings war das neue Main noch ein Stückchen vom tatsächlichen Umzug entfernt! Außer den vielen Kisten gab es noch eine Katze, die im Main hauste, und die war überglücklich, endlich wieder Gesellschaft zu bekommen. Während das Main so leer stand, war Julie die einzige, die jeden Tag nach dem rechten schaute. Entsprechend gewütet hatte die Katze natürlich in den langen Stunden, in denen sie allein war. Für mich bedeutete der Anfang im Main erst einmal aufräumen, aufräumen und aufräumen. Das gute daran war, dass sich sowohl die Katze als auch ich immer wohler fühlten. Und ich bekam auch langsam einen Überblick darüber, was es in dem Main so alles gab und wie die ehemaligen Freiwilligen die Kids den ganzen Tag beschäftigt hatten!


Trubel im alten "Main"

Während ich das Main einigermaßen wieder auf Vordermann brachte, kam die bunte Wandbemalung aus indianischen Motiven und Wörtern wieder richtig zur Geltung. Auch wenn sich das Gebäude zum Teil in schlechtem Zustand befand, fing ich an, meinen neuen Arbeitsplatz zu mögen –denn dieses Gebäude hatte trotz seiner Mängel eine ganz besondere Atmosphäre! Und die Räume waren in ihrer Anordnung und Größe übersichtlich. Mit jeder Woche kamen mehr und mehr Kids vorbei, die natürlich vor Neugierde beinahe platzten. Und sie hatten einen riesen Spaß herauszufinden, wer ich denn eigentlich war und wie viel ich von ihrem Englisch verstehen konnte. Einige wollten mir unbedingt beim Aufräumen helfen oder kamen vorbei, um mir etwas zu erzählen, andere wollten so gerne einfach wieder im Main spielen. Es fiel mir schwer, sie nach und nach immer wieder wegschicken zu müssen, da ich allein kaum eine Möglichkeit sah, so viele Kinder auf einmal zu betreuen.... Aber dennoch waren jeden Tag abwechselnd drei bis zehn Kids da -manchmal sogar mehr- um zu reden, zu helfen oder draußen etwas Ball zu spielen. So konnte ich anfangen, mir ihre Namen einzuprägen und mein Englisch rasant zu verbessern, denn mit Hilfe der Kids lernt man eine Sprache enorm schnell!!!

Als ich meine riesen Aufräumaktion endlich einigermaßen abgeschlossen hatte, stand auch schon Weihnachten vor der Tür.... Sprich innerhalb von den ersten drei Dezemberwochen füllte sich das Main plötzlich mit Kartons über Kartons –gefüllt mit Spielsachen und Kleidung, Fahrrädern und Sportbällen. Der Traum eines jeden Kindes!!! Alles in allem war die Christmas Aktion total stressig und wunderschön zugleich! Es war interessant zu sehen, woher und vor allem wie viele Spenden kamen. Die Kids hatten zuvor ihre eigenen Santa Clause Briefe geschrieben, mit all ihren Wünschen darauf. Damals waren es noch rund 250 Kinder, die vom Santa Clause beglückt werden sollten. Und so fingen wir an, jedem Kind von seiner Liste Geschenke zu verpacken. Mittlerweile weiß ich, dass sich die Santa Clause Aktion mit jedem Folgejahr in ihrem Umfang immens gesteigert hat...! Es war faszinierend, wie schnell wir Helfer gefunden hatten, um die ankommenden Trucks abzuladen und Geschenke zu verpacken –ich habe noch nie im Leben so viele Geschenke verpackt... Leider haben wir es nicht mehr geschafft, bis an Heiligabend alle Geschenke zu liefern –also gab es für viele Kinder verlängerte Weihnachten. Schön waren die großen, leuchtenden Augen der Kinder, wenn sie ihre Geschenke bekamen!!!


Das alte "Main"

Zwischendrin gab es noch die große Christmas Party. Die fand allerdings nicht mehr im Main statt, da dies ja zur Lagerhalle geworden war. Am Abend der Christmas Party konnte ich dann einen Großteil der Kids sehen, die normalerweise ins Main kamen, und ich bekam eine vage Vorstellung davon, wie es wohl sein musste, wenn das Main regulär geöffnet ist. Ich kann mich leider nicht mehr an die Zahl der Kinder erinnern –aber es waren eine Menge!!!

Nach Weihnachten wurden die übrigen Geschenke in ein anderes Gebäude geräumt. In den beiden Wochen zwischen Weihnachten und Neujahr bekam ich Unterstützung von Yukiko, einer japanischen Studentin, die gerade in Colorado studierte. Und als dann im Februar die erste „Langzeit“-Freiwillige aus Chicago kam, konnten wir das Main wieder regelmäßig öffnen. Bis dahin hatte ich immer nur sporadisch für ein paar Stunden geöffnet, in denen ich Snacks verteilte oder mit den Kindern draußen Ball oder Fangen spielte. Die Kids waren hocherfreut, als das Main endlich wieder richtig geöffnet war!!!

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Die Landschaft und der ewige Wind waren eine relativ große Umstellung für mich! Im Jahr vor meiner Ankunft gab es wohl viel Schnee, aber der blieb in meinem ersten Winter beinahe aus. Das heißt, die Temperaturschwankungen waren so enorm, dass es tageweise schneite, dann eisig kalt wurde und schließlich wieder alles taute. Insgesamt war die Prärie aber immer relativ trocken. Der ständige Wind trug dazu bei, dass ich kurz vor Jahreswechsel mit Julie einen Spaziergang entlang des Morreau Rivers im Norden des Reservates machte, bei dem wir uns zum Sonnen ins vertrocknete Gras legten während eine Pferdeherde über den gefrorenen Morreau stapfte. Es war so warm, dass wir ohne Pullover im Gras lagen! Dank des Windes und der flachen Landschaft scheint in den Plains fast immer die Sonne!!! DER WIND.... So was hatte ich noch nie zuvor erlebt. Die einzigen Momente, in denen es tatsächlich mal so etwas wie Windstille gibt, kommen kurz vor einem riesigen Unwetter im Hochsommer.... Ansonsten pfeift der Wind immer über die Plains. In den ersten Monaten raubte mir der Wind oft den Schlaf, da er dermaßen an meinem Trailer rüttelte und entlang zog, dass ich mich nur sehr langsam daran gewöhnen konnte. Außerdem hatte ich gebrochene und notdürftig geflickte Scheiben, die der Wind mächtig in Bewegung setzte.... Aber ich habe gelernt, mir mit dem berühmt berüchtigten silbernen Allzweck-Klebeband (!) zu helfen –sah zwar nicht gerade toll aus die verklebten Scheiben, aber die Wirkung war gut! Der Trailer gehört nun ja auch der Vergangenheit an, da die Freiwilligen im neuen Main-Gebäude untergebracht sind.


Als ich im November nach Eagle Butte kam, schien mir die Landschaft fürchterlich trostlos. Fast schon wie eine Art Mondlandschaft; das Gras verdorrt, kaum Bäume und die endlose Weite mit den rolling hills, die meiner Meinung nach aber nur kleine Erhebungen in der Landschaft waren. Überall waren Spuren von ausgetrockneten Bächlein und Rinnsalen, die sich in den Boden gegraben hatten. Je größer die Stelle war, desto eher fanden sich dort auch Bäume und Büsche. Ansonsten muss man schon in die Bad Lands und Back Hills fahren, um Wälder zu sehen. Vor allem für mich, die ich zwischen Bergen, Tälern und Wäldern aufgewachsen bin, war das alles sehr fremd. Und da ich in Eagle Butte auch nur mit dem Fahrrad unterwegs war, nervte mich der ständige Wind bereits nach einigen Monaten tierisch!!!

ABER: Mittlerweile habe ich auch die anderen Jahreszeiten mehrfach erlebt.... Und ich liebe diese endlose Weite der Plains!!! Ehrlich! Als ich nach meinem ersten Jahr zurück in Deutschland war, hatte ich hier richtig Platzangst! Es gibt nichts schöneres als den Blick in die Weite streifen zu lassen und diese Abgeschiedenheit zu spüren. Es war für mich ein Novum, zu sehen, dass es tatsächlich Plätze gibt, wo die Natur noch völlig unberührt scheint! Und daher leuchten die Sterne in den Plains auch am schönsten!!! Und nirgends habe ich so gigantische Regengüsse und Gewitter erlebt wie dort. Oder Gewitterwolken, die das größte Unwetter versprachen und sich plötzlich innerhalb weniger Minuten wieder in nichts auflösten. Oder Blitze in allen Himmelsrichtungen gleichzeitig, aber so weit weg, dass man noch nicht einmal einen Donner hören kann! Ja, dann wären da natürlich noch die Sonnenauf- und Sonnenuntergänge zu nennen.... Der Wind, der sich im Winter anfühlt wie tausend kleine Nadeln... oder der Wind, gegen den man sich beinahe mit ganzem Gewicht lehnen kann ohne umzufallen..... UND ich habe in Eagle Butte mein allererstes Nordlicht gesehen!!! Ich könnte natürlich noch weiter machen: ...mit der von gelbem Sweet Clover überzogenen Prärie –wohin das Auge auch reicht; dem endlos blauen Himmel, der kein Ende zu nehmen scheint; den ewig langen Straßen, auf denen einem niemand begegnet; Rousseau Creek; den Bad Lands, den Black Hills, Devils Tower, etc.....

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Aber ich möchte wieder auf die Arbeit mit den Kids und die Menschen, die dort leben, zurückkommen.

Nachdem ich Weihnachten und den Jahreswechsel miterlebt hatte, nahm das Tempo rasant zu; und mein Jahr im Cheyenne River Reservat verging wie im Flug. Garron fuhr wieder zurück nach Chicago, nachdem kurz zuvor Steph aus San Francisco eingetroffen war. Sie blieb ebenfalls für drei Monate, und kurz vor ihrer Abreise, kam Sarah aus Penn State/ Pennsylvania dazu. Wenn ich jetzt all die Freiwilligen aufliste, die ab den Sommermonaten noch hinzukamen, würde das viel zu lange dauern, aber ich war immer wieder schwer beeindruckt, dass dieser kleine Ort so viele Menschen von überall her anzog. Und immer wieder kamen ehemalige Freiwillige zu Besuch. Dieser Ort scheint einen nicht mehr loszulassen....


Die ersten Wochen, in denen wir das Main wieder geöffnet hatten, waren die anstrengendsten überhaupt, da es galt, uns vor den Kids zu behaupten, und sämtliche Regeln erneut durchzusetzen. ...damit es für alle –auch uns Freiwillige eingeschlossen- eine schöne Zeit sein konnte. Anfangs gab es heiße Diskussionen, z.B. darüber, ob man nun auf Stühle und Tische steigen darf, ob man den anderen beleidigen und beißen darf, ob man das Toilettenpapier im ganzen Garten verteilen, oder ob man den anderen Sachen klauen darf, oder dem Main...., ob man Essen an die Wand oder unter die Tische werfen darf...... und vieles vieles mehr! Ich hätte nie gedacht, dass man für so viele Kleinigkeiten Regeln aufstellen muss. Aber die Kinder suchen eben die Grenzen, und wer zu Hause keine lernt, sucht sie woanders. Manchmal kam ich mir wie ein Versuchskaninchen vor. Und natürlich waren wir immer wieder „so mean“, aber alles in allem lief es nach ein bis zwei Monaten sehr gut! Meine Arbeit machte mir sehr viel Spaß!!! Und ich hatte jedes der Kinder sehr gern!!! Natürlich waren sie alle unterschiedlich, aber jedes war auf seine Weise liebenswert. Bei vielen dauerte es lang, bis man die Mauer aus Misstrauen und Angst brechen konnte. Aber hatten sie mal das Vertrauen, war es eine reine Freude!!! Und wenn’s mal nicht so toll lief, dann war es immer ein Lachen oder ein Spruch von einem Kind, das/ der alles wieder wett machte!!!


Regeln...

Insgesamt war es ein Job, bei dem man ständig auf der Hut sein musste. Denn war man mal nachlässig mit den Regeln, zahlte man schnell die Quittung. Oder oft kamen Kids ins Main, bei denen man die ganze Anspannung und Aggression, die sie in sich hatten, sofort spüren konnte! Gab es zu Hause Trouble, waren wir der Prellbock. Grundsätzlich war das okay, denn irgendwo müssen sie sich ja abreagieren können. Und es war mir lieber, sie taten es an mir (sie wurden aber nie handgreiflich!), als gegen Schwächere. Schwierig wurde es nur dann, wenn eine handvoll Kinder mit Aggressionen ins Main kam, während bereits 20 andere ausgelassen spielten...

Im Mai ’99 wurde das neue Main-Gebäude schließlich fertig gestellt. Die große Eröffnung stand bevor... Es war kaum zu glauben, dass wir bald mit den Kids in einem so neuen, großen und modernen Gebäude spielen würden! Die Eröffnung war gigantisch!!! Billy Mills kam höchst persönlich vorbei. Und Julie Garreau wurde für all ihre vielen Bemühungen geehrt –zu recht, denn sie hat in all den Jahren für das Main enorm viel geleistet!!!

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Alles in allem habe ich eine wunderschöne Zeit in Eagle Butte verbracht! In meinem ersten Jahr drehte sich mein Alltag fast ausschließlich ums Main. Da die Freiwilligen nur einen freien Tag in der Woche haben, und ich zur Fortbewegung nur ein Fahrrad zur Verfügung hatte, war das Umfeld, in dem ich mich bewegte, auf Eagle Butte begrenzt. Während der Sommerzeit, als mehr Freiwillige im Main arbeiteten, gab es dann auch mal die Möglichkeit, einen Nachmittag oder Abend frei zu nehmen und zum PowWow, Basketballspiel oder anderen Veranstaltungen zu gehen! Durch das Main habe ich jede Menge Menschen kennen gelernt: sowohl Freiwillige, die aus den verschiedensten Teilen der USA/ Welt kamen, als auch die Bewohner von Eagle Butte und Umgebung!!!

Ich habe mein erstes Jahr und auch die Folgebesuche in Cheyenne River als sehr intensiv empfunden! Ich hatte das Gefühl, in eine ganz andere Lebensweise, einen ganz anderen Lebensrhythmus einzutauchen. Die Arbeit mit den Kids war anstrengend und zugleich total interessant und amüsant!!! Ich habe viel gelacht, viele schöne Dinge erlebt und gesehen!!! Die Kinder und Erwachsenen haben mir viel von ihrer Kultur und Sprache erzählt. Während die Kids mir Worte auf Lakota beibrachten, wollten sie von mir einige deutsche Begriffe lernen. Auch außerhalb der offiziellen Main-Stunden, hatte ich ständig Kontakt zu meinen Schützlingen. Der Trailer, in dem ich wohnte, stand in dem Viertel, in dem auch sehr viele Main-Kinder lebten. Außerdem waren die Kids von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang immer auf Achse –entweder zu Fuß oder auf ihren Rädern....


Auf der anderen Seite habe ich natürlich auch Dinge gesehen und erlebt, die ich bis dahin von meinem Leben in Deutschland noch nicht, vor allem nicht in diesem Umfang, gekannt oder tatsächlich gesehen hatte. Es gibt sie eben –direkt vor Ort!- die Armut, die hohe Arbeitslosigkeit, Kinder die geschlagen oder total vernachlässigt werden, die Uneinigkeit und der Neid zwischen den Indianern oder einzelnen Familien. Es wurde viel geratscht in dem kleinen Ort.... Auch gab es des öfteren Probleme mit Kindern, die anfingen, in Schlägereinen verwickelt zu werden oder andere Dummheiten anstellten, und so manche Nacht im Jugendknast verbrachten....

Nie zuvor habe ich in einem Umfeld mit solch krassen Extremen und Gegensätzen gelebt.

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Als ich im Frühjahr/ Sommer 2000 erneut für drei Monate aufs Reservat kam, fragten mich einige Kinder, ob ich denn die letzten Monate im Urlaub gewesen sei.....Auf der Straße oder beim Einkaufen wurde ich herzlich begrüßt.... Es war schön, das Gefühl zu haben, in der Fremde so akzeptiert zu werden!

In diesem Sinne und in der Hoffnung, nächsten Sommer –nach dreijähriger Abwesenheit- endlich wieder für längere Zeit nach Eagle Butte zu gehen, schließe ich diesen Bericht!!!

P.S.: Auch ich stehe nach wie vor mit einem Bein in South Dakota und mit dem anderen hier in Deutschland..... J

Maren

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